Gemeinschaftliche Politik von unten: Kommunalismus – nachhaltig, offen, sozial und basisdemokratisch

Vortrag & Diskussion | Sonntag 11.6. | 10–12 Uhr | Turmkneipe

Revolutionäre Stadtteilarbeit“ –  im Unrast-Verlag ist jüngst eine Untersuchung von Vogliamo Tutto, ein kleiner politischer Zusammenhang von Leuten, die eine revolutionäre und antiautoritäre Positionierung verbindet, veröffentlicht worden. Stadtteilgruppen, die in Form von Basisarbeit neue Praxen entwickeln, um an die lokalen Lebensbedingungen anzuknüpfen und entlang von Alltagskonflikten zu einer Politisierung des Stadtteils beizutragen, wurden interviewt. Alle Gesprächspartner:innen versuchen, Profitorientierung, Konkurrenz und Vereinzelung eine solidarische und bedürfnisorientierte Praxis entgegenzusetzen. In der aktiven Hinwendung zu den Nachbar:innen unterscheiden sie sich von klassischen Infoläden und linken Szenetreffs, durch den revolutionären Anspruch besteht gleichzeitig eine klare Abgrenzung zu Sozialarbeit und reformistischen Ansätzen. Zentrale Arbeitsfelder sind Miet- und Arbeitskämpfe, Feminismus, Carearbeit und Antirassismus.

Die untersuchten Gruppen aus Berlin, Hamburg, Bremen und Münster arbeiten mit einem Ansatz, der passgenau in das maßgeblich von Murray Boockchin (1921–2006) erarbeitete Konzept des  Kommunalismus passt. Wesentliche Grundlage des auf Kommunen statt auf Staaten setzenden Kommunalismus ist das unter „Soziale Ökologie“ zusammengetragene Bündel von Ideen. Sie verstehen sich als kohärente, radikale Kritik von aktuellen sozialen, politischen und anti-ökologischen Trends. Gleichzeitig will sie ein rekonstruktives, ökologisches, kommunitäres und ethisches Verständnis der Gesellschaft fördern.
Unsere Gruppe in Münster, nicht die oben erwähnte Stadtteilgruppe (!), hat auf der Grundlage der Arbeiten von Bookchin den „Konkreten Kommunalismus“ entwickelt, der die öffentlichen Angelegenheiten (Politik) nachhaltig, offen, sozial und basisdemokratisch unter Einbeziehung aller Einwohner*innen möglichst herrschaftsfrei gestalten will. Ziel ist die Selbstbestimmung und -verwaltung der Menschen in allen öffentlichen Angelegenheiten. Stichwort: „Kommune selbst verwaltet“

Zum Konzept gehören geloste Entscheidungsgremien, von den Einwohnerinnen geführte Verwaltungen, ein bedingungsloses Grundeinkommen durch die kommunale Gemeinschaft als Daseinsvorsorge und Existenzsicherung für alle Einwohnerinnen und den ausschließlich kommunalen Bodenbesitz als Gewähr für lokale Entscheidungshoheit der Menschen.
Was wir heute sofort tun können, erläutert der Referent am Beispiel der Münsterliste – bunt und international.

Mit:

  • Werner Szybalski (Münster)